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Gedanken zum polnischen Zwangsarbeiter Tadeusz Prusak und die Bedeutung für die Gegenwart

Sie haben wahrscheinlich die Berichte in der Westerwälder Zeitung zu den Recherchen des Herrn Dr. Müller und seinem Team gelesen oder vielleicht davon etwas gehört. Das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiter Tadeusz Prusak, der auf der Domäne Welschneudorf gearbeitet hat und aufgrund Unwahrheiten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Die Geschichte hat viele Menschen und auch mich bewegt. Eine Überschrift in einem Artikel lautet: „Wie Gleichgültigkeit Leid verschweigt“. Diesen Satz kann ich für mich persönlich nur sehr schwer beurteilen, da mir keine Erkenntnisse über das Verhalten des Kurt Rücker vorliegen. Ob es tatsächlich Gleichgültigkeit war oder die Angst vor Repressalien durch das NS-Regime kann ich nicht bewerten. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Kurt Rücker hatte auch etwas zu verlieren, schließlich hatte er Familie und war Leiter der Domäne. Ich möchte es aber auch nicht entschuldigen, aber hier die Brücke zur Gegenwart schlagen. Wo beginnt die Gleichgültigkeit oder die Feigheit? Haben wir doch heute keine Repressalien durch ein Unrechtsregime mehr zu befürchten.

Und hier möchte ich nun die Brücke zur Gegenwart schlagen: an Kirmes wurden fremdenfeindliche Aufkleber mit rechtem Gedankengut an verschiedenen Stellen auf dem Kirmesplatz und in der Kurfürstenhalle aufgeklebt. Mir wurden dann die Fotos der Aufkleber übersandt, sie wurden umgehend entfernt und ich konnte im Nachgang einen Verdächtigen ermitteln. Ich habe Strafanzeige erstattet und werde den Sachverhalt strafrechtlich bewerten lassen, da ich diese „Aussagen“ nicht tolerieren werde. Die Familien, die nach Welschneudorf gekommen sind, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher leben konnten, sollen hier sicher und angstfrei leben können. Dass es so ist, wird mir auch immer wieder durch Handlungen von Menschen bewiesen, die sich um die Familien kümmern oder ihnen im täglichen Umgang begegnen. Ich muss gestehen, dass ich die Aufkleber nicht selbst wahrgenommen hatte und darauf hingewiesen wurde. Aber, falls diese Aufklebeaktion von jemanden beobachtet wurde, stellt sich die Frage, warum nicht umgehend gehandelt wurde? Ist das schon ein Maß an Gleichgültigkeit oder Angst vor Repressalien? Wenn wir dieses rechte Gedankengut hinnehmen, sind wir wieder an dem Punkt, dass wir unschuldige Menschen Verfolgung und Ängsten aussetzen, jetzt aber geschürt durch verfassungsfeindliche Einstellungen Einzelner. Wir können heute sicherlich relativ leicht sagen, dass sich Kurt Rücker anders hätte verhalten und dem unschuldigen Herrn Prusak mehr Unterstützung hätte zugestehen müssen. Aber wir sollten uns auch selbst hinterfragen, wieviel Feigheit, Gleichgültigkeit oder wieviel Kurt Rücker steckt in uns Allen?

Das wir in Freiheit leben können ist nicht selbstverständlich und auch kein Selbstläufer. Sachliche Kritik an großer und kleiner Politik ist gut und ein Zeichen von funktionierender Demokratie. Es darf aber nicht auf dem Rücken Unschuldiger ausgetragen werden, die hier von rechter Gesinnung als Ursache für viele Probleme vorgeschoben werden. Somit wünsche ich uns Allen mehr Zivilcourage sich dem Hass entgegen zu stellen.

Euer Ralf Heibel -Ortsbürgermeister-

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